1890
Dorf II

Das Tannenhaus und das Lindenhaus (unten). Zur Lage vergleiche den Dorfplan (Pläne)

tannenhaus2
lindenhaus

Zur Geschichte dieser Häuser zitiere ich Frank Wiehler (Wiehler Chronik, Ausgaben 1995 und 2000):

“Nicht unerwähnt bleiben sollte (...) Franz Wiehler, Thiergartsfelde, geh am 12. 10.1847. Er studierte als Prediger der Mennonitengemeinde die Schriften der Pietisten Hauser, Murray und Seckendorff, hielt Kontakt mit Offizieren der Heilsarmee. Sein ältester Sohn Franz Wiehler (Thiergarter Ast), geb.in Preußisch Rosengart am 22.3.1875, auch der "heilige" Wiehler genannt, pflegte enge Beziehungen zu Eva von Tiele-Winckler, einer wohlhabenden Dame aus Oberschlesien, welche mit Hilfe ihrer Stiftung "Friedenshorst" in Deutschland zwischen 1910 und 1930 über 40 Kinderdörfer gegründet hatte ("Heimaten für Heimatlose"). Helene Wiehler, Tochter des Johann Wiehler aus Preußisch Königsdorf, geh. am 12. 7. 1860 absolvierte eine Ausbildung in einem dieser Kinderdörfer und konnte ihren Vater überzeugen, auch in Westpreußen solche Kinderdörfer zu errichten. Er schenkte der Stiftung ein Bauernhaus mit Garten sowie eine Kuh. Am 14. September 1916 wurde in Preußisch Rosengart das "Tannenhaus" feierlich eingeweiht. In ihm fanden über 20 Kinder eine Heimat. Wenige Jahre später wurde am gleichen Ort ein zweites Kinderheim, das "Lindenhaus", errichtet. (...)

Die beiden Kinderheime blieben zwar vom Krieg verschont, mußten aber im September 1945 geräumt werden. Die über 40 Kinder wurden vertrieben und fanden nach langen Irrwegen im Frühjahr 1946 in Berleburg, Westfalen, eine neue Heimat.”

lindenkids

Kinder des Lindenhauses im Garten, wohl 1920er-Jahre


Hierzu noch ein Brief einer im Tannenhaus tätigen Schwester Marta:

“Pr. Rosengarth, den 28.12.1916

Von Herzen möchte ich Dir ein gesegnetes neues Jahr wünschen. Gott sei Dank, uns geht es sehr gut! Die Kinder sind alle gesund.
Ein wunderschönes Weihnachtsfest haben wir gefeiert. Die Einbescherung war am Sonnabend den 23. Wir luden dazu einige Gäste ein und denke Dir es kamen so viele, daß sie nicht alle in der Stube Platz hatten. So wurden denn wieder die Türen geöffnet und alle konnten den schönen Lichterbaum sehen, den uns Herr Wiehler aus Grunau samt dem wundervollen Schmuck gespendet hat. Nach Krieg sah es bei uns nicht aus. Die Geschenke für die Kinder waren so reichlich ausgebreitet.
Eine Stunde vorher saßen schon die Kindlein in ihren roten Kleidern und weißen Blusen bereit. Als die Gäste nun alle gekommen waren, klingelte ich, und die Kinder zogen mit dem Liede hinein: ‘Ihr Kinderlein kommet!’. Sie hatten auch einige Lieder eingeübt und Gedichte gelernt, die sie vortrugen. Zuletzt hielt Herr Wiehler und dessen Bruder eine Ansprache. Als die Kinder ihre Geschenke in Empfang nahmen, war der Jubel sehr groß. Lotte und Margarete sagten immer wieder, daß sie solch schönes Weihnachtsfest noch nie erlebt hätten. Möchte aber auch das Jesuskind in ihren Herzen immer mehr Platz gewinnen.
Wie dankbar müssen wir sein, daß die lieben Dorfbewohner so nett zu uns sind. Könnte doch hier bald noch eine Heimat entstehen.

Herzliche Grüße                 Schw. Marta”      
 

swminna
Altenheim

Schwester Minna Henseleit

Unter Rozgart heute sind zwei aktuelle Bilder der Häuser abgespeichert.

Schwestern des Altenheims

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