1890
Dörfertreffen II

DORFGEMEINSCHAFT PR. ROSENGART - ALT ROSENGART

Von Erika Peters*


„Wir, die wir ostverbunden, sehnen uns heimwärts“,

so schrieb Frau Martha Kowitz, früher Alt Rosengart, 1946 in ihrem Gedicht ‚Verlorene Heimat’. Dieses Heimweh begleitet uns ein Leben lang und ist wohl der Grund, dass drei gut besuchte Dörfertreffen stattfanden und das vierte für 1988 geplant ist.

Ihren Beginn nahmen die Treffen 1984, als 18 Landsleute aus Pr. Rosengart am 1. September für ein Wochenende an die Ostsee fuhren. Es war ein schönes Erlebnis der heimatlichen Zusammengehörigkeit, dass sie eine Wiederholung beschlossen und diese im größeren Rahmen versuchen wollten. Frau Helga Hildebrandt, geb. Fritz, übernahm die Organisation, unterstützt von einigen Freunden und Verwandten.

Der Anfang war mühsam, da keine Adressen von Landsleuten bekannt waren. Wer lebte noch aus den beiden Dörfern, denn auch Alt Rosengärter sollten teilnehmen. Wer würde kommen? 40 Jahre waren seit der Flucht und Vertreibung vergangen. Hatte irgendjemand überhaupt noch Interesse an einer solchen Veranstaltung? Einladungen erschienen in den Heimatzeitungen. Ein paar Bekannte wurden angeschrieben. Bad Nenndorf wurde als Treffpunkt angeboten. Die Wahl schien gut: einigermaßen zentral gelegen, mehrere Hotels vorhanden und dazu letzter Wohnort und Ruhestätte von Agnes Miegel, der großen ostpreußischen Dichterin. Viele würden noch ein Gedicht von ihr aus der Schulzeit kennen.
Ein gutes Omen für ein solches Unternehmen?

Auch wir zwei Peters-Frauen, Witwen von Söhnen aus dem Petershof, Alt Rosengart, lasen es und meldeten uns an, fuhren einen Weh von der Nahe und vom Rhein. Mal sehen – ein bisschen skeptisch. So gingen 50 Anmeldungen bei Helga Hildebrandt in Düsseldorf ein, vielleicht mit ähnlichen Gedanken des Zweifels und der Neugier. Aber das war schon eine stattliche Zahl, mehr als man angenommen hatte, und von überall her wurden noch Anschriften mitgeteilt. Dann geschah das Unerwartete, dass beim 1. Treffen am 12./13. Oktober 1985 sich 80 Teilnehmer einfanden. Die Veranstalter waren fast überfordert; zusätzliche Quartiere mussten schnell besorgt werden – der Versammlungsraum war zu klein, die Bedienung der Gäste geriet ins Stocken. Aber niemand ließ es sich verdrießen. Die Wiedersehensfreude war sehr groß.

Für die nächsten Zusammenkünfte im Herbst 1986 und 1987 fand Frau Hildebrandt das Hotel ‚Seestern’ in Haltern/Westfalen, hübsch gelegen, mit annehmbaren Preisen und einem schönen großen Saal für alle Landsleute, denn es waren wieder 70 und 80 Teilnehmer erschienen. Manche kamen von weit her: aus Kanada, aus der Schweiz, aus Schweden, aus der DDR, aus Luxemburg. Sie verbanden ihre Besuchsreisen mit diesem Termin oder fuhren extra dahin.

Ein Unkostenbeitrag wurde erhoben, der durch Spenden bereichert und vom Überschuss zu Weihnachtspäckchen für die Besucher aus der DDR verwendet wurde. Frau Hildebrandt fertigte für jede Veranstaltung eine kleine Dokumentation mit Texten und Bildern an und überreichte den Teilnehmern die Kopien. Außerdem versuchte sie, eine Sammlung mit alten Fotos aus der Heimat anzulegen.

Es war jedoch nicht nur ein Treffen zum Schwatz oder Beleben alter Freundschaften und Nachbarschaft. Es wurde ein Programm geboten mit aktuellen Reiseberichten in die Heimat, mit Gesang- und Scherzeinlagen, mit Dia-Vorträgen, Totengedenken, Gedicht-Rezitationen, verfasst von Bewohnern dieser Dörfer. Die ehemalige Kindergärtnerin Hedwig Kintrup aus Pr. Rosengart konnte ihre ‚Kinder’ hier als gestandene Männer und tüchtige Frauen begrüßen.

Die 1940 frischgebackene Lehrerin Erika Köplin, verh. Peters, aus Alt Rosengart saß zwischen einer Anzahl ehemaliger Schüler und Schülerinnen, und viele Erinnerungen wurden lebendig. Sehr bewegend war es, dass der Sohn des am Kriegsende verschollenen Dr. Waldemar Karsten, Alt Rosengart, Bernd-Peter Lange, mit seiner Familie zum 3. Dörfertreffen kam, um mit seinen Tanten vom Karstenhof ein Wiedersehen zu feiern und die Landsleute seines toten Vaters kennenzulernen. Jedes Mal waren auch unsere Seniorinnen Frau Lucie Illmann, Witwe des Lehrers Willy Illmann aus Pr. Rosengart, und Frau Anna Reddig aus Alt Rosengart, zwei über 80 Jahre alte Damen dabei und saßen munter erzählend zwischen ihrer ‚jungen’ Generation.

So haben die drei vergangenen Treffen gezeigt, dass die Veranstaltung von den ehemaligen Rosengärtnern beider Dörfer angenommen wird. Die Landsleute sind der Initiatorin Frau Helga Hildebrandt dankbar für ihre Arbeit und sie verabschieden sich jedes Mal voneinander:

„Auf ein fröhliches und gesundes Wiedersehen im nächsten Jahr!“.


* entnommen aus: Heimatkreis Marienburg: Berichte - Meinungen - Empfindungen,
  herausgegeben von Franz-Rudi Neumann, 1988

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