1890
Erinnerungen

Von ehemaligen Einwohnern geschrieben (siehe auch Nach 1945)


Der Glockenturm in Pr. Rosengart - von Else Kretzschmar, geb. Epp

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Der Glockenturm mit seinen drei Glocken neben der Mennonitenkirche in Pr. Rosengart gehörte zum Dorfleben und doch hat er eine besondere Geschichte.

Ein bäuerlicher Junggeselle, sein Name vielleicht Claaßen (genaue Angabe kann ich leider nicht machen), der in Otto Neufeldts Hof oder in dem kleinen Häuschen daneben um die Jahrhundertwende gewohnt hat, wollte sein Vermögen der Mennonitengemeinde vermachen. Doch er hatte einen Wunsch: Das Geld sollte zum Bau eines Glockenturms verwandt werden. Leider war es den Mennoniten nicht gestattet, neben ihren Kirchen ein Glockengeläut zu haben und damit begannen die Schwierigkeiten für Bauer Claaßen. Im evangelischen Pfarrer Warm in Stalle hatte er einen Freund gefunden, der ihn in seinem Vorhaben tatkräftig unterstützte, so daß die kirchlichen Behörden schließlich ihre Einwilligung gaben und der Wunsch von Bauer Claaßen erfüllt werden konnte. So kam unsere Mennonitenkirche, damals wohl als einzige in der Welt, zu einem dreistimmigen Glockengeläut. Wir, die wir in Preußisch Rosengart geboren und aufgewachsen sind, können uns das Dorfleben ohne Glockenturm gar nicht vorstellen.

Jeden Abend läutete eine Glocke den Feierabend ein. Im Sommer, wenn es lange hell war, um 19 Uhr und im Winter schon um 16 Uhr! Am Sonnabend läuteten alle 3 Glocken den Sonntag ein, ebenfalls vor uns nach jedem Gottesdienst läuteten alle drei Glocken.

War jemand in unserem Dorf gestorben, wurde mit allen 3 Glocken in 3 Abständen geläutet, die Konfession spielte keine Rolle. Volles Geläut in 3 Abständen erklang auch, wenn in einem anderen Ort jemand gestorben war, sofern er zu unserer Mennonitengemeinde gehörte. Zuhause hieß es dann: "Lauf mal schnell zum Glockenturm und frag, wer gestorben ist."

Einmal hat es mich doch sehr getroffen. Als ich zufällig in der Nähe des Glockenturmes war und neugierig fragte, wer denn gestorben sei, da war es unser Opa! Er war ganz plötzlich eingeschlafen.

Jeden, der auf unserem Dorffriedhof begraben wurde, begleitete das Glockengeläut auf seinem letzten Wege. Auch jedes Brautpaar grüßten die Glocken bei Eingang zur Trauung in die Kirche und beim Verlassen der Kirche.

Die mir bekannten Kirchendiener waren Dau, Breitfeld und Collin, die auch für das Glockenläuten zu sorgen hatten. Natürlich mußten die Glocken noch mit Seilen bewegt werden. Helfer fanden sich immer schnell ein. Ich glaube, es hat bald jeder Junge im Dorf mal beim Läuten geholfen. Ich hab's als Kind auch mal versucht, doch mir war es ein bißchen unheimlich, weil ich dabei in die Höhe gezogen wurde.

Silvester haben die Dörfler selbst das Jahr 1945 eingeläutet - sicher mit einem hoffenden und einem wehen Herzen.

Wie ich gehört habe, sollen die Glocken nach dem Kriege nach Elbing gekommen sein. Das Dach des Glockenturms war eingefallen. Später hat man angeblich eine Glocke zurückgebracht.

Das vertraute Glockengeläut der Heimat ist verstummt. (siehe auch: Die Kirche)

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Wenn die Blätter fallen! Else Epp um 1939 in Rosengart

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Dzwonnica z Preussisch Rosengart / Rozart –Autor Else Kretzschmar z domu Epp

Ta dzwonnica ze swoimi trzema dzwonami obok kosciola Mennonitow w Pr. Rosengart (pol. Rozgart), nalezala do wiejskiej codziennosci,a jednak posiadala wlasna i szczegolna historie.

Mlody rolnik o nazwisku powiedzmy Claassen (dokladnych danych nie moge podac),ktory na przelomie XIX i XX w mieszkal we dworze Otto Neufeldt’a albo tez w malym domku zaraz obok, postanowil przekazac swoj majatek na rzecz tamtejszej parafii Mennonitow.

Wola jego zawierala jednak jeden warunek. Pieniadze owe mialy byc wydane na budowe dzwonnicy.
Niestety Mennonitom nie wolno bylo posiadac dzwonnic obok ich kosciolow i tu zaczynaly się trudnosci chlopa Claassen’a.
W ewangelickim pastorze Warm z parafii Stalle znalazl on przyjaciela,ktory go w tym zamiarze tak skutecznie wspieral,ze zwierzchnicy koscielni w koncu udzielili zezwolenia i zyczenie Claassen’a moglo zostac spelnione.

Tak to nasz kosciol Mennonitow, wtedy najprawdopodobniej jako jedyny na swiecie dorobil sie trojglosowej dzwonnicy.

My wszyscy urodzeni i wychowani w pr.Rosengart nie mozemy sobie wyobrazic naszego codziennego wiejskiego zycia bez tej dzwonnicy i jej dzwonow.
Kazdego wieczoru oznajmial nam jeden dzwon koniec dnia pracy. W lecie ,kiedy bylo dluzej jasno o 19.°° a w zimie juz o 16.°°.

W sobote wieczorem oglaszaly wszystkie trzy dzwony przychodzaca niedziele,tak samo wszystkie trzy dzwonily po kazdej mszy.
Kiedy zmarl ktos we wsi, niezaleznie od wyznania,dzwoniono trzema dzwonami w trzech odstepach.
W ten sam sposob honorowano rowniez smierc kogos z innej miejscowości jezeli nalezal do Mennonitow.
W domu mowiono wtedy “lec szybko do dzwonnicy i spytaj kto zmarl”.

Raz dotknelo mnie to osobiscie, kiedy przypadkowo znajdowalam sie kolo dzwonnicy, z ciekawosci zapytalam,kto umarl.Okazalo sie, ze to byl moj dziadek.

Usnal nagle i niespodziewanie. Kazdemu pochowanemu na naszym wiejskim cmentarzu towarzyszyly w jego ostatniej drodze dzwony z naszej dzwonnicy.

Rowniez kazda mloda pare pozdrawialy nasze dzwony przy wejsciu i wyjsciu z kosciola.
Trzech koscielnych,ktorych pamietam i ktorzy byli miedzyinnymi odpowiedzialni za dzwonnice to: Dau; Breitfeld i Collin.

Dzwony byly naturalnie poruszane za pomoca lin. Ze znalezieniem chetnych do pomocy nie bylo oczywiscie zadnych problemow.
Mysle,ze kazdy chlopak we wsi przynajmniej raz pomagal przy dzwonach.
Ja tez raz sprobowalam i bylo to dla mnie niesamowite wrazenie, bo dzwony za kazdym razem wyciagaly mnie wysoko w gore.

Sylwestra 1945 roku tez wydzwonili mieszkancy naszej wsi. Wydzwonili z nadzieja w sercach i bolem jednoczesnie.

Jak pozniej slyszalam, po wojnie przeniesiono nasze dzwony do Elblaga.
Dach naszej dzwonnicy zapadl sie. Pozniej jeden z dzwonow przywieziono zpowrotem.

Ale dzwiek ojczystych, swojskich dzwonow niestety juz zamarl.


Die Kosse - Eine kleine Geschichte aus der Heimat, von Gerd Lau

 

Es muß im Jahre 1944 gewesen sein, also das letzte Jahr in der alten Heimat. Wir hatten im Stall eine Ziege, die - wie ich mich erinnere - schneeweiß war und Hörner hatte. Eines Tages war es soweit: die Ziege mußte zum Bock. Der aber war im Dorf, in Pr. Rosengart. Aber guten Mutes machten wir, meine Cousine aus Elbing (schon eine verheiratete Frau), mein Bruder Hans (damals 12) und ich, uns auf den Weg.

Wir gingen, glaube ich, den Landweg durch, kürzten dadurch einen Teil der Strecke ab und kamen auch gut mit der Ziege beim Bock und seinem Besitzer an. Der Bock waltete seines Amtes. Die Ziege sollte eigentlich zufrieden sein, und wir wollten den Heimweg antreten. Doch wir hatten nicht mit unserer Kosse gerechnet! Sie war nicht bereit, auch nur einen Meter zu gehen.

Ob es ihr bei ihrem männlichen Artgenossen so gut gefallen hatte oder ob sie einfach nur nicht mehr allein sein wollte - wer weiß; jedenfalls gehen wollte sie nicht.

Wir versuchten es mit guten Worten, mit Schimpfen oder sie einfach weiterzuschieben - alles ohne Erfolg.

Die Zeit verging, es wurde schon langsam dunkel und wir hatten erst wenige Meter zurückgelegt. Gute Ratschläge von vorbeigehenden Leuten erhielten wir, aber nichts zu machen, die Kosse machte sich auf allen vier Beinen steif und bewegte sich höchstens um Zentimeter.

Ich als der Jüngste, damals ja erst 8 Jahre alt, bekam langsam Angst. Bald würde es dunkel und wie weit ist es noch bis zur Schiffsbrücke? Wr kamen nicht vorwärts.

Da kam uns schließlich die rettende Idee: wir sollten uns einen Handwagen borgen und die Kosse einfach aufladen. Gesagt, getan; mein Bruder wußte, daß einer seiner Schulkameraden einen Handwagen hatte und den bekamen wir auch geborgt.

Aber wie die Ziege auf die Ladefläche stellen?

Immer wenn wir meinten, sie wäre oben, sprang das Biest wieder herunter und versuchte uns dabei auch noch zu stoßen... Nach vielen Mühen schafften wir es schließlich doch. Die Kosse stand auf dem Wagen und einer zog und zwei hielten das störrische Tier fest. Unterwegs trampelte die Ziege und trat dabei in die inzwischen eingekauften Lebensmittel der Cousine! Die Tüten gingen kaputt und Salz mit Mehl, dazwischen auch Zucker, vermischten sich.

Es war zwischenzeitlich dunkel geworden, als wir mit unserem Transport jetzt über die Straße in Richtung Schiffbrücke rollten. Verwunderte Blicke streiften uns von Menschen, die uns entgegenkamen. Die weiße Kosse in der Dunkelheit auf dem Wagen und zwei Kinder sowie eine Frau, die sich alle bemühten, daß das Tier nicht heruntersprang!

Es muß schon reichlich spät gewesen sein, als wir schließlich zu Hause ankamen. Unsere Mutter wartete schon sorgenvoll am Gartenzaun und war heilfroh, daß wir dann doch noch wohlbehalten - wenn auch sehr spät - eintrafen.

Mutter schimpfte mit der Ziege und siehe da: sie erkannte die Stimme ihres Herrn oder besser Herrin. Die Kosse trottete fast reumütig, so schien mir, in ihren Stall.


Fluchterlebnisse - von Heinrich Heinrichs (1954)

Unsere Heimatgemeinde, Pr. Rosengart war wunderbar und fruchtbar zwischen zwei Armen des Thiene-Flusses gelegen und zählte ca. 280 Personen, welche am 24. Januar von den Russen überrascht
wurden. Am Abend des 24. Januar wurden Vorausabteilungen der Russen auf der Kreisstraße Thiergartsfelde-Thiergart an der Schiffsbrücke gesichtet.

Durch die heillose Verwirrung der Kreisleitung bekamen wir erst durch den Ortsgruppenleiter um 19 Uhr Bescheid, uns für 22 Uhr am Dorfkrug einzufinden, von wo der Abmarsch des Trecks erfolgen sollte. Die letzten auswärtigen Trecks waren Richtung Thiergart um 16 Uhr durchgefahren. Eine Überrumpelung der Trecks hat deshalb bei uns nicht stattgefunden.

Als sich unser Teiltreck des Dorfes in Richtung Kreisstraße Thiergart-Grunau in mondheller Nacht um 20 Uhr bei Frostwetter auf den Weg machte, wurden wir ca. 100 Meter durch Warnschüsse (?) empfangen. Die unheilvolle Gefahr erkennend, kehrten wir zu unserem erst 300 Meter entfernten Ausgangsort
zurück. Da wir uns eingekreist sahen, blieb uns nichts weiter übrig, als sich dem uns bevorstehenden grauenvollen Schicksal zu ergeben. Unser lieber Nachbar Bergmann, der eine halbe Stunde früher losgefahren war, geriet unverhofft den Russen in die Hände und wurde als Volkssturmmann sofort erschossen. In der Nacht zum 25. Januar schienen sich die Russen am Thienefluß festzusetzen, denn es blieb ruhig und so konnte sich der Treck in dem zwei Kilometer entfernten Dorf um 23 Uhr in Marsch setzen und ungestört das Dorf verlassen.

Am 25. Januar um 7 Uhr waren die ersten Russen der Vorausabteilung in unserem Haus (...). Um 10 Uhr kamen aus Richtung Thiergart Fußvolk in hellen Scharen, auch schwere Artillerie und Panzer und besetzten abwechselnd das Dorf. Letztere hatten in unserer Nähe Stellung bezogen und beschossen Elbing.

Am 25. Januar wurden die ersten furchtbaren Verwüstungen und Untaten bekannt: 21 Menschen waren ihnen zum Opfer gefallen: 8 durch Erschießen, 13 waren in ihren Häusern eingeschlossen und verbrannt worden. (...)

Durch Feuer wurden die Gebäude von den Gebrüdern Froese, Willy Dirksen und seiner Ehefrau Marie,
geb. Franzen, Fritz und etliche Deputantenhäuser und später auch mein Wirtschaftsgebäude zerstört. 50 Personen waren nicht geflüchtet und fast ebenso viele kehrten im Laufe des Frühjahrs und Sommers, meistens aus Pommern, wieder in die Heimat zurück, um bald abermals furchtbar enttäuscht, weil sie nichts vorfanden, schwarz oder in Ausweisungstransporten die Heimat wieder zu verlassen.

Soviel mir bekannt ist, sind 3 Personen auf der Flucht gestorben, vier Jugendliche verschleppt und 8 Personen sind verhungert. Ins Straflager kam Erich Quapp, zuerst nach Marienburg, später nach Stuhm. Nach dem Westen durchgekommen ist Nachbar Willy Dirksen (später ausgewandert).

Nachdem im April/Mai 1945 die großen zusammengetriebenen Viehherden aus den umliegenden Dörfern von den Russen abgetrieben waren, und sich erst vereinzelt Polen in unsere Häuser eingebürgert hatten, wurde im Herbst die kommissarische Regierung gebildet und ein Wojewodschafts-Starost eingesetzt.


Ich bin über die Schilderungen von Herrn Heinrichs hinaus im Besitz eines Berichtes von Willy Illmann, dem ehemaligen Dorfschullehrer, der in großer Anschaulichkeit die Flucht in den Westen beschreibt. Bei Interesse kann ich Ihnen diesen als PDF-Datei zuschicken.

FluchtPauls

Fluchtwagen der Familie Pauls (von hinten: Inge, Tochter von Erika Meurer, geb. Pauls, Wolfgang, Sohn; Margot Neumann, geb. Pauls; Gertrud Pauls mit Baby Claudia, Tochter von Erika Meurer; Hans-Detlef Neumann; Regine Neumann - Frühjahr 1945)


Auf der nächsten Seite (Erinnerungen II) folgt ein Bericht von Egon Epp (Bruder von Else Kretzschmar), der seine Erinnerungen an die unmittelbare Zeit nach der Flucht beinhaltet.

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