1890
Erinnerungen 1

Die Flucht aus Thörichthof (von M. Jungius)


Am 24. Januar 1945 zwischen 13 und 14 Uhr begannen sich die Treckwagen in Bewegung zu setzen. Die Lage, wie weit die Sowjetarmee vorgedrungen war, war nicht bekannt. Erst später erfuhren wir, dass am selben Tag die Panzer bereits Elbing und Marienburg angegriffen hatten.

Am Abzweig nach Fischau trafen wir uns mit einem Teil der Pr. Rosengarter Wagen. Unser Weg führte uns über Fischau – die Straße Marienburg – Elbing – Rothebude Familie) – durch das Große Werder – Käsemark (Übergang über die Weichsel) – Danzig Langfuhr – Melken Kreis Karthaus. Hier auf dem Gut Melken verbleiben wir ca. 14 Tage. Wenn wir hier 2 oder 3 Tage früher weggefahren wären, wäre es uns gelungen, die Oder zu erreichen (ohne Feindberührung).

Etwa Mitte Februar setzten wir die Fahrt fort, Richtung Lauenburg – Stolp – Schlawe – Köslin, das wir am 2. März 1945 erreichten.

Am 2.3.1945 waren die Sowjetischen Truppen westlich Köslin zur Ostsee durchgestoßen und die Einkesselung war vollzogen. Wir mussten wieder zurück; diesmal parallel zur Küste.

Der Weg führte uns über Rügenwalde – Stolpmünde – Schmolsin – Glowitz. An diesem Ort überrollten uns die russischen Truppen am 9. März 1945 gegen 14 Uhr. Damit endeten die gemeinsame Flucht und der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft.

Wir fuhren noch gemeinsam zum Gut Zipkow (ca. 4 km von Glowitz), wo sich am 10. März 1945 der Treck auflöste und in den Dörfern der näheren Umgebung Unterkunft suchte.

Einige Einwohner von Thörichthof, die während der Flucht in Danzig und Umgebung geblieben waren, kehrten Ende April / Anfang Mai nach Thörichthof zurück und wurden im August 1946 nach Deutschland ausgewiesen. Es handelte sich dabei um Oma Rosa Graw, Familie Schönfeld, Familie Erich Dyck, Frau Krähahn und Sohn, Manfred Jungius und Georg Körner.
Alle bis auf Frau Gertrud Dyck, die im Dezember 1945 an Typhus verstarb (siehe dazu auch Erinnerungen V), haben das Martyrium überstanden – dem Schicksal sei Dank.

 

Schlussbemerkungen:

Alle damaligen Thörichthofer haben sich nach dem Schicksalsjahr 1945 eine neue Existenz geschaffen. Sie sind in Würde älter geworden. Einige unserer Mitbürger leben nicht mehr und sind fern der alten Heimat bestattet worden. Auch ihnen gilt beim Lesen dieses Rückblicks unsere Dankbarkeit und Achtung.

Solange wir noch am Leben sind, werden wir uns der alten Heimat erinnern.

 

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