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Feier, 5. Juni 2008

Es war ein überaus schöner Tag! Das Wetter spielte mit, viele Zuschauer und Mitfeiernde waren gekommen und die Gemeinde Gronowo Elblaskie hat wirklich alles getan, dass der 5. Juni 2008 für uns unvergesslich bleiben wird.

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Und das Ziel, den Friedhof für die Nachwelt zu erhalten und eine Gedenktadel für die verstorbenen Menschen anzubringen, hat sich an diesem Tag verwirklicht.

Auch wenn am Friedhof noch viel Arbeit zu tun bleibt, ich bin mir sicher, dass er eines Tages wieder das wird, was er seit seiner Entstehung bis zum Jahre 1945 war: eine würdevolle Ruhestätte für geliebte und vermisste Menschen.

An die 100 Personen aus Polen, den USA und Deutschland waren bei den Feierlichkeiten anwesend.

Ganz zum Anfang - vor einer Schilderung des Tages und vielen Fotos - eine Danksagung an Herrn Alexander Lewicki, Woijt von Gronowo Elblaskie, Bolek Klein aus Nowy Dwor/Tiegenhof und alle Einwohner von Rozgart, die die Feier unterstützt haben oder auch einfach nur mitgefeiert haben!

Und ein ganz besonderer Dank an die Familie Epp, ohne die die Gedenktafel niemals hätte angefertigt werden können. So stehe ich auch nur stellvertretend, als “Anstifter”, auf dieser Tafel.

Gegen 16:30 begann das Programm des Tages in der Kirche von Rosengart. Die Kirche war voll besetzt und einige Personen mussten in der Kirche selbst bzw. draußen stehen. Auch die örtliche Presse und die niederländische Honorarkonsularin waren anwesend.

Ich selbst saß neben Frau Wieland (auf dem rechten Bild rechts zu sehen), geb. Wiehler (jetzt Elbing), die eine besondere Beziehung zum Friedhof hat: Weihnachten 1945 begleitete sie die letzte Beerdigung auf dem Friedhof in Pr. Rosengart.

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An der Kirche, vor den Ansprachen

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Herr Lewicki begann das Programm in der Kirche mit einer Vorstellung der wichtigsten Personen und bekräftigte in seiner Ansprache noch einmal seine Unterstützung für die Bewahrung des Friedhofs, ein Prozess, der sich - wie er deutlich machte - erst am Anfang befindet. Er erwähnte auch, wie es überhaupt zum Umsturz des Portals gekommen ist. Scheinbar wollte jemand die Portalgitter stehlen und hat dabei die Portalpfeiler umgestossen / umgeworfen (ich denke, mit Hilfe eines Autos o.ä.). Vielleicht wurde er dabei gestört - jedenfalls blieben die Gitter vor Ort liegen und wurden zum Schutz in die Kirche gebracht, um dann später originalgetreu restauriert und wieder an die neuen Portalpfeiler angebracht zu werden.

Als nächster Redner sprach ein Vertreter der katholischen Kirche über die Geschichte der Kirche in Rosengart, von den Verwüstungen und dem Verlust beinahe der gesamten Ausstattung (siehe dazu auch das Bild auf der Seite Die Kirche), der missbräuchlichen Nutzung der Kirche in den folgenden Jahren als Lagerraum, bis sie in den 50er Jahren schliesslich wieder als jetzt katholisches Gotteshaus genutzt werden konnte.

Anschliessend sprach Professor Peter Klassen von der Mennonite-Polish Friendship Association über die Geschichte der Mennoniten in Ostpreußen. Peter Klassen führte zu diesem Zeitpunkt eine Gruppe von ca. 40 Mennoniten aus den USA durch Nordpolen, auf der Suche nach Spuren der mennonitischen Vergangenheit. Diese Gruppe war dann auch bei den Feierlichkeiten in Rozgart anwesend.

Als letztes hielt Herr Dmochowski eine Ansprache. Herr Dmochowski ist Gründer und Vorsitzender der Stiftung POBOG in Elbing. Diese Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, auf lokaler Ebene Projekte, die Geschichte bewahren wollen, zu initiieren bzw. zu unterstützen. Drei Schlüssel für das neuerrichtete Portal wurden verteilt, einen erhielt die Gemeinde, einen ich und einen die Stiftung selbst.

Schließlich sang dann die mennonitische Gruppe aus den USA zwei geistliche Lieder, darunter auch „So nimm denn meine Hände“ in englischer Sprache.

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Es war eine sehr schöne Zeremonie in der Kirche von Rozgart und bei allen Rednern verspürte man eine grosse Verbundenheit mit dem Friedhofsprojekt.

Danach ging es zur Enthüllung der Gedenktafel, die mit einer Europafahne verhängt war. Zunächst hielt mein Vater eine kurze Ansprache; er erwähnte, dass er 1936 zwei Kilometer entfernt an der Schiffsbrücke geboren wurde und später - nach dem Tod seines Vaters - mit seiner Mutter oftmals den Friedhof besuchte und dort den Weg harken durfte, während sie das Grab pflegte.

Dann enthüllte ich zusammen mit den beiden anwesenden Bürgermeistern (Gemeinde und Dorf) die Gedenktafel, die bis dahin von einer Europafahne verhüllt war.

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Das Portal wurde danach offiziell das erste Mal seit der Wiederherstellung geöffnet und beinahe alle Anwesenden durchschritten das Tor.

Anschliessend fand der eher lockere Teil der Veranstaltung statt. Es gab Essen vom Grill, Schnittchen und Getränke (gerüchteweise auch selbstgebrannten Schnaps).

Und - was mich persönlich am meisten freute - es war nicht nur eine Veranstaltung von und für auswärtige Besucher: auch viele heutige Rosengärter feierten mit und brachten Kuchen und Torten mit zur Feier. Wir alle fühlten uns wirklich wie unter Freunden!

Auch wenn dies alles nur eine kleine Feier in einem kleinen Dorf war: auf dieser eher unteren Ebene hat die Verständigung zwischen Polen und Deutschen funktioniert und geholfen, ein Stück Vergangenheit vor dem vollständigen Verfall zu bewahren. 

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Diese drei Bilder hat mir freundlicherweise Frau Grazyna Wosinska zur Verfügung gestellt.

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