1890
Nach 1945

Stellvertretend für das Leben nach der Flucht aus Ost- und Westpreußen folgen hier und auf der nächsten Seite zwei Berichte. Gerd Lau, nach der Flucht zunächst in Niedersachsen gestrandet, besuchte 30 Jahre später seine alte Heimat und schildert seine Eindrücke. Auf der nächsten Seite dann eine ganz andere Geschichte - von der Auswanderung nach Kanada. 

Wiedersehen mit Preußisch Rosengart, 1977, von Gerd Lau


„Noch über die Brücke, dann sind wir da“, sagte ich etwas aufgeregt zu meinen Begleitern Christa und Horst Dittlof, als wir uns der Schiffsbrücke näherten und ich nach über 30 Jahren das Haus meiner Geburt und unsere Wohnung bis 1945 wieder zu Gesicht bekam. Es war der 2. August 1977, gegen 11 Uhr. Der erste Eindruck: Eigentlich kaum verändert, nur es wirkt vieles kleiner, die Entfernungen sind geringer, die Thiene nur ein kleiner Fluss, kam mir damals so breit vor. Es wirkt alles etwas verwildert und zugewachsen.

Wir nähern uns „unserm“ Haus. Der deutsch/polnische Sprachführer ist aufgeschlagen, besonders der Satz „Wir haben hier früher einmal gewohnt“, soll unseren Besuch erklären.

Die ältere Dame mustert uns zunächst etwas misstrauisch, ist dann aber durchaus freundlich und sie spricht auch Deutsch. Wir erfahren, dass sie während des Krieges als polnische Zwangsarbeiterin in der Gegend bei Göttingen gearbeitet und dort Deutsch gelernt hat. Wir unterhalten uns noch eine ganze Zeit, tauschen die Anschriften aus, wir schicken später Pakete, auch mit Rheumasalbe, die soll das Leiden der Frau lindern (sie muss auch gewirkt haben, denn im Jahre 2006 – zwischenzeitlich 90 Jahre alt – konnten wir sie bei einem erneuten Besuch wieder begrüssen und sprechen).

Zu Fuss gehen wir danach den Landweg ein Stück in Richtung des eigentlichen Dorfes.

Es ist noch das alte Kopfsteinpflaster vorhanden. Viele Erinnerungen werden wieder wach, kleine Begebenheiten von früher sind plötzlich gegenwärtig. Bei der ehemaligen Molkerei von Fritz war im Januar 1945 unsere kurze Flucht nach nur 500 Metern zu Ende. Auf der Strasse Thiergart – Grunau waren schon die ersten russischen Soldaten, der Weg abgeschnitten, also zurück auf den Hof von Heinrichs. Dort erlebten wir den Einmarsch der Russen am nächsten Tage und dann alle Schrecken, Plünderungen und Ängste, die dieses mit sich brachte.
Auf dem letzten Hof der Familie Wittpahl lebten wir einige Monate, bis wir schliesslich im Frühjahr 1946 nach Baumgath, Kreis Stuhm, mit dem kümmerlichen Rest unserer Habe übersiedelten.

Der Tag im Jahre 1977 war regnerisch und daher wirkte wohl alles grau und unfreundlich. In Pr. Rosengart hielten wir auch am Friedhof, der total verwildert und zugewachsen war. Das Grab von Vater, der hier 1940 beigesetzt wurde: nicht mehr zu finden.

In Gedanken versunken, mit Erinnerungen beschäftigt, traten wir über Altfelde die Rückfahrt in unsere Ferienanlage in Dt. Eylau (jetzt Ilawa) an.

1977

Ehemaliges Wohnhaus der Familien Lau und Kuhn im Jahre 1977.


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